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Agrar-Studienreise mit Farm-Tours nach Westrumänien vom 12.-18.06.2026


Westrumänien - Landwirtschaft der großen Gegensätze

Eine Woche lang war unsere Reisegruppe in Westrumänien unterwegs, um sich ein eigenes Bild von der Landwirtschaft eines Landes zu machen, das wie kaum ein zweites in Europa von Gegensätzen geprägt ist. Zwischen den Karpaten und dem Banat besuchten wir Betriebe jeder Größenordnung – vom Familienbetrieb mit eigener Käserei bis zum Agrarunternehmen mit über 20.000 Hektar. Immer im Mittelpunkt: der fachliche Austausch mit den Menschen, die diese Betriebe führen. Begleitet wurde das Fachprogramm von kulturellen Höhepunkten, die uns Land und Leute nähergebracht haben.

Rumänien 2026

Auftakt in Cluj und ein Blick auf die Agrarstruktur

Nach der Ankunft stimmte uns eine Stadtbesichtigung in Cluj auf die Reise ein. Den fachlichen Auftakt bildete am zweiten Tag eine Präsentation des rumänischen Bauernverbandes FAPPR über die Landwirtschaft des Landes. Sie machte auf eindrückliche Weise deutlich, wie unausgewogen die rumänische Agrarstruktur ist: Einer sehr großen Zahl kleiner und kleinster Betriebe mit Subsistenzwirtschaft stehen zahlreiche große und sehr große Agrarunternehmen gegenüber. Die bei uns vorherrschenden Betriebe von 20 bis 100 Hektar spielen in Rumänien nur eine untergeordnete Rolle.

Besonders aufschlussreich waren die Selbstversorgungsgrade: Bei Getreide liegt er bei knapp 200 Prozent – jede zweite in Rumänien produzierte Tonne muss also exportiert werden, mit entsprechendem Preisdruck. Umgekehrt verhält es sich bei veredelten Produkten: Beim Schweinefleisch beträgt der Selbstversorgungsgrad nur rund 50 Prozent, jedes zweite Kilo muss importiert werden. Hintergrund ist die vielfach fehlende Finanzausstattung für langfristige Investitionen in Veredelung und Verarbeitung – ein Thema, das uns die ganze Reise über begleiten sollte.

Ackerbau und Wein rund um Mureș

Den ersten Betrieb lernten wir mit dem Ackerbaubetrieb Kodagro in Seuca kennen. Auf 2.800 Hektar – davon 200 Hektar im Eigentum – baut die Familie Marginean Weizen, Mais, Soja und Sonnenblumen an und verfügt über eigene Trocknungs- und Lagerkapazitäten für die gesamte Ernte. Der Weizenpreis lag bei 190 €/t ab Hof, vermarktet wird überwiegend über die Schwarzmeerhäfen. Die Bodenpreise bewegen sich zwischen 6.000 und 10.000 €/ha, als Pacht wird rund 1,1 t Weizen je Hektar gezahlt – vielfach in Form von Ware. Der 1993 nach der Wende auf einem ehemaligen Kolchosen-Standort gegründete Betrieb hinterließ mit modernem Maschinenpark einen gut geführten Eindruck. Solche Betriebe sind in Rumänien nicht unüblich; die meisten haben inzwischen wirtschaftliche Stabilität erreicht – auch wenn, so unser Gesprächspartner, „die goldenen Zeiten wohl vorbei sind".

Einen ganz anderen Betriebstyp zeigte das Weingut Villa Vinea in Mica. Das 2011 gegründete Gut bewirtschaftet 60 Hektar Rebfläche mit 18 Mitarbeitenden und baut zwölf Rebsorten an – acht weiße, traditionell für die Region, und vier rote. 2023 wurde eine neue Vinothek zur Weinverkostung eröffnet. Rund 75 Prozent des Weins gehen an die Gastronomie, der Exportanteil liegt bei 10 Prozent. Eigentümer ist der Inhaber des Südtiroler Sportartikelherstellers Salewa. Unser Fazit nach der Verkostung: Rumänische Weine sind lecker – haben aber auch ihren Preis.

Rumänien 2026

Mittelalter und Direktvermarktung

Der dritte Tag begann mit einer Besichtigung des mittelalterlichen Dorfes Deutsch-Weißkirch, das uns einen Eindruck von der siebenbürgischen Geschichte und der ursprünglichen ländlichen Lebenswelt vermittelte.

Wie vielfältig moderne Landwirtschaft sein kann, führte uns anschließend der Direktvermarktungsbetrieb Ferma Catean in Rotbav vor Augen. Der Familienbetrieb bewirtschaftet vor den Toren von Brașov 180 Hektar Weideland und 120 Hektar Ackerbau, hält 1.400 Schafe, 120 Milchkühe der Rasse Fleckvieh sowie 20 Pferde und betreibt eine eigene Käserei. Alle Familienmitglieder – Eltern und drei Söhne – arbeiten mit und ergänzen einander. Über einen Sohn, der zuvor in der Landwirtschaftsverwaltung tätig war, findet der Betrieb guten Zugang zu Förderprogrammen, die intensiv genutzt werden. Das Geschäftsmodell baut konsequent auf den eigenen Stärken auf: einer engagierten Unternehmerfamilie, der kaufkraftstarken Lage nahe Brașov und dem guten Zugang zu Fördermitteln. Unser Eindruck: ein gut finanzierter Betrieb, der sich stabil entwickelt hat und weiter wachsen wird.

Edelbrände und Büffelmilch

Am vierten Tag besuchten wir die Brennerei Palincaria Transsilvania in Râșnov. Sie kauft einfach gebrannte Obstbrände („Țuică") von regionalen Erzeugern und veredelt sie durch eine zweite Destillation zu Edelbränden („Pălincă") mit über 50 Volumenprozent. Angeboten werden Brände von mehr als zehn verschiedenen Früchten, die regional vertrieben werden.

Einen Betrieb mit ganz eigenem Charakter lernten wir mit der Büffelfarm in Vistea kennen: 700 Wasserbüffel, 200 Milchkühe sowie 1.500 Hektar Weide- und Ackerland in relativ extensiver Bewirtschaftung. Der vor zehn Jahren – erneut auf einer aufgegebenen Kolchose – gegründete Betrieb vermarktet Büffelmilch (7–8 % Fett, ca. 1,40 €/kg), Kuhmilch (4 % Fett, ca. 0,60–0,70 €/kg), selbst produzierten Frischkäse sowie Zucht- und Mastvieh und betreibt in der Kreisstadt ein eigenes Geschäft. Wegen sehr reduzierter Kraftfuttergaben fällt die Milchleistung überschaubar aus. Der Besuch zeigte, dass zur rumänischen Landwirtschaft auch Betriebe gehören, die zwar beachtliche Größe haben, aber nur mit begrenzten Mitteln finanziert sind – und die dennoch wachsen können, wenn das Geschäftsmodell trägt, wenngleich langsamer und mitunter mit Kompromissen.

Rumänien 2026
Rumänien 2026

Premiumfleisch aus Weidehaltung


Ein Höhepunkt des fünften Tages war Karpaten Meat in Nocrich. Unter dem Motto „From grass to beef" hält das 2008 von zwei Schweizern gegründete Unternehmen am Fuße der Karpaten 5.000 Angus-Rinder, davon 2.500 Mutterkühe, verteilt auf fünf Farmen mit insgesamt 7.000 Hektar Weide- und 1.000 Hektar Ackerland. Die gesamte Wertschöpfungskette von der Genetik über Zucht und Mast bis zur Schlachtung liegt in einer Hand; rund 100 Mitarbeitende sind beschäftigt. Das Premiumfleisch geht zu 75 Prozent in den Export, unter anderem an das Blockhouse in Hamburg, das seit vielen Jahren zu den Gesellschaftern zählt. Die Tiere werden ganzjährig sehr naturnah auf der Weide gehalten, nur in der sechsmonatigen Endmast wird zugefüttert. Wir lernten ein aufgeräumtes, offenes und sympathisches Unternehmen mit einem überzeugenden Geschäftsmodell kennen – kostengünstige Produktion eines Premiumprodukts für hochpreisige westeuropäische Märkte. Doch auch hier klagte man über schwieriger werdende Märkte, steigende Kosten und schwindende Margen: Die Bäume wachsen auch in Rumänien nicht in den Himmel.

Westrumänien 2026

Beim Ackerbaubetrieb der Getreide AG „SC Agrar" in Liebling wurde die Kehrseite spürbar. Auf 2.200 Hektar (1.000 Hektar eigen) bei guten Böden, aber geringen Niederschlägen von nur 300–400 l/Jahr, baut der Betrieb mit neun festangestellten Mitarbeitenden Grannenweizen, Gerste, Raps, Sonnenblumen und Klee an. Die EU-Flächenprämie beträgt 170 €/ha, weitere Zuschüsse gibt es nicht; Vorverträge existieren weder auf der Produkt- noch auf der Betriebsmittelseite. Unser Eindruck war, dass die wirtschaftliche Situation angespannt ist und der Gesellschafter Druck macht – dem Betriebsleiter steht ein Düngerbudget von nur 100 €/ha zur Verfügung. Dabei hat er ackerbaulich nahezu alles ausgeschöpft, um den Betrieb an die Klimaverhältnisse anzupassen und die Kosten zu senken. Eine Situation, die derzeit leider in vielen landwirtschaftlichen Betrieben in ganz Europa Realität ist.

Agribusiness im Banat

Der sechste Tag führte uns tief in das großflächige Agribusiness des Banats. Das 2008 von dem Italiener Marco gegründete Unternehmen Maragro in Giera ist stark gewachsen – sowohl im Ackerbau (9.500 Hektar) als auch in Getreidelagerung (60.000 t), Saatgutaufbereitung und Ölmüllerei (18.000 t Ölsaaten pro Jahr). Angebaut werden vor allem Raps, Weizen und Sonnenblumen; im Herbst soll eine Fleischrinderherde aufgebaut werden, um die Nebenprodukte der Ölmüllerei besser zu verwerten. Deutlich wurde die logistische Herausforderung großer Strukturen: In der Ernte kommen 14 Fremd-LKW zum Einsatz, und der eigentlich mögliche Getreideexport per Ganzzug wird kaum genutzt. Uns wurde einmal mehr klar, wie sehr Rumänien und speziell der Westen des Landes eine stärkere Verarbeitung der Ackerfrüchte braucht – ein Prozess, der nur in kleinen Schritten vorankommt.

Bei BanatFarming in Oravița trafen wir auf einen Betrieb mit 7.300 Hektar Ackerfläche, 5.000 Sauenplätzen, 8.000 Schweinemastplätzen, rund 25.000 t Getreidelagerung und einem neu errichteten Futtermittelwerk. Geführt vom geschäftsführenden Gesellschafter Marcel Wiesehoff und getragen von rund einem Dutzend deutscher Investoren, feiert das aus kleinen Anfängen gewachsene Unternehmen in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Stärker als vergleichbare Betriebe setzt BanatFarming auf die Veredelung des eigenen Getreides über den Tiermagen, während die anfallende Gülle die Bodenfruchtbarkeit verbessert. Die Erläuterungen des „Deutsch-Rumänen" Wiesehoff halfen uns, viele Eindrücke der vergangenen Tage noch besser einzuordnen.

Den Tag beschloss ein Besuch beim Weingut Cramele in Recaș. Mit 1.200 Hektar Rebfläche ist es eines der größten Weingüter Rumäniens und genießt landesweit den besten Ruf. Die rumänisch-englische Eigentümer- und Geschäftsführung produziert Weiß- und Rotweine aus autochthonen rumänischen wie internationalen Rebsorten.

Das Beste zum Schluss

Den Abschluss unserer Reise bildete am letzten Tag das Agrarunternehmen Maxagro in Gataia – und tatsächlich hatten wir den Eindruck: Das Beste kommt zum Schluss. Der 1993 von einer rumänisch-slowakischen Familie gegründete Betrieb bewirtschaftet heute 21.000 Hektar, verfügt über 70.000 t Getreidelager, eine 1-MW-Biogasanlage und hält 3.000 Rinder, darunter 1.500 Milchkühe. Zuletzt wurde ein benachbarter 7.500-Hektar-Betrieb übernommen; mit ihm kam der deutschsprachige Betriebsleiter Marius, der uns kompetent durch das Unternehmen führte.

Angebaut werden vor allem Raps (8.000 Hektar) und Weizen (7.000 Hektar); eine kurze Feldbegehung zeigte fruchtbare Böden mit 3 Prozent Humus und gesunde Bestände. In Teilbereichen wird mit Pivot-Bewässerung gearbeitet. Die Pachtpreise sind auf 250–350 €/ha gestiegen. Um die innerbetriebliche Logistik zu begrenzen, betreibt das Unternehmen zehn Einzelstandorte mit jeweils mindestens 1.500 Hektar Einzugsfläche. Besonderen Eindruck machte die Milchviehanlage mit einer Leistung von 11.000 bis 12.000 kg je Kuh und Jahr sowie ein Maschinenpark aus vielen neuen und gepflegten Gebrauchtmaschinen mit einer Nutzungsdauer von maximal vier Jahren. Maxagro will weiter wachsen – quantitativ über Flächenerwerb, vor allem aber qualitativ über den Ausbau der Bewässerung, eine professionellere Futteraufbereitung und eine höhere Wertschöpfung beim Getreide, etwa durch die Herstellung von Backmehlen.

Unser Fazit

Wir nehmen von dieser Reise vor allem eine Erkenntnis mit nach Hause: Der Strukturwandel in Rumänien betrifft nicht nur die kleinen Betriebe, sondern auch die großen und sehr großen Unternehmen. Die Wachstumsdynamik ist auch dort noch längst nicht zum Erliegen gekommen. Zwischen Subsistenzwirtschaft und Hightech-Agribusiness, zwischen mittelalterlichen Dörfern und modernsten Milchviehanlagen haben wir ein Land erlebt, das landwirtschaftlich in Bewegung ist – und dessen größte Chance in einer stärkeren Verarbeitung und Veredelung der eigenen Erzeugnisse liegt.

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15. - 29. November 2025

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